Jahresbericht 2025

(Auszug; den vollständigen Bericht können Sie anfordern bei Epona-Stiftung für Pferd und Umwelt c/o Mermagen, Kesselstr. 15, 53797 Lohmar)

Pferde auf einer Weide

Von der ursprünglichen Epona-Familie waren Ende 2025 nur noch zwei Pferde und ein Pony übrig: Kosmos, mit dem alles 2009 begann, Tobby, der mit Cookie in der Normandie zu uns kam, und die Berberstute Aloha aus Marokko. Kosmos ist inzwischen 28 Jahre alt. Er ist fit und fühlt sich wohl auf „seinem“ Platz in St. Joan in Sora. Andere kommen und gehen, und manchmal kommt einer oder eine, die ein Freund oder eine Freundin werden kann. Aber bitte nicht zu eng, denn man weiß ja nie, wann sie wieder gehen ....

Cookie ging und Aranza kam

Verlassen hat uns Cookie 2025. Er starb am 3. April. Zwei Tage und zwei Nächte hatte er gegen eine Kollik gekämpft, um dann zum Schluß friedlich zu gehen. Wir hatten ihn damals (siehe Jahresbericht 2012) mit Tobby zusammen aufgenommen, nachdem ihre Besitzerin zurück nach England gegangen war und die beiden einfach auf der Weide in der Normandie zurück gelassen hatte. Cookie liebte es alleine zu sein. Oft streifte er abseits von der Herde durch die Wälder und suchte sich spezielle Ecken aus. Eine Höhle, auf der anderen Seite des Baches, war eines seiner Lieblingsplätze. Und wenn Weidenwechsel anstand und sich alle drängten, war Cookie weit und breit nicht zu sehen. Irgendwann, viel später stand er dann alleine am Zaun und schaute, als ob er fragen würde: Und ich?

Tobby (links) und Cookie (rechts)
Pferd mit Hund

Obwohl Cookie und Tobby so unterschiedlich waren - Tobby immer mitten drin und je größer die Herde desto besser und je mehr Stuten noch besser – verband sie wohl doch Freundschaft. Das bemerkten wir erst richtig nach dem Tod von Cookie. Tobby stand plötzlich abseits, traurig, alleine. Selbst Julio konnte Tobby am Anfang nicht aufheitern . Später schon, als Tobby merkte, dass er sich in das Unabänderliche fügen muß, denn Cookie wird nie mehr wiederkommen.

Neu hinzugekommen ist Aranza (heißt Weißdorn auf deutsch), eine sanfte, ausgeglichene Araberstute. Sie wurde am 10. Februar 2010 im Haus unseres Hufpflegers Xesco geboren, am selben Tag wie seine Tocher Oria. Die beiden wuchsen zusammen auf, und Oria lernte mit Aranza das Reiten. Natürlich wurde auch ausprobiert, ob Aranza sich zu einem Endurance-Rennpferd eignen würde. Doch nach drei Rennen war klar: Aranza ist kein Rennpferd, demgegenüber liebte sie offensichtlich die Dressur. Ihr zierlicher, biegsamer Körper passt sich perfekt den Dressurfiguren an. Und weil sie so sanftmütig ist, wurde sie ständig an Freunde und Familie ausgeliehen. Vor allem Reitanfänger fassten schnell Vertrauen zu diesem “sooo lieben” Pferd, das sich fast alles mit großer Gelassenheit und Geduld gefallen ließ. Obwohl wir ihr gesagt hatten, dass sie hier bei der Epona-Familie für immer bleiben kann, wollte sie es anfangs nicht glauben. Sobald ein Wechsel anstand, war ihr anzusehen, dass sie sich auf Trennung einstellte. Auch hielt sie sich am Anfang von den anderen etwas fern, als ob sie befürchte, von einer Freundin wieder getrennt zu werden. Inzwischen ist sie aber angekommen und hebt oft gar nicht mal den Kopf, wenn wir auf die Weide gehen. Herzlich Willkommen Aranza auf deiner letzten Station.

Pferde auf der Weide
Pferde auf der Weidee

Vor allem zu Sarah fühlt sich Aranza hingezogen. Sarah, ein typisches Reit-Stallpferd, immer separat von den anderen im Stall und kleinen Paddock gehalten, wo Wasser und Futter im Radius von wenigen Metern schnell erreichbar sind, hatte es nicht leicht sich hier in die Herde zu integrieren und die manchmal langen Wege zum Wasser zu gehen. Einige Male mussten wir sie zum Haus hoch holen, weil wir befürchteten, dass sie nicht genug trank. Meistens war es Aranza, die sie dann begleitete, um nicht alleine zu sein.

Sarah (vorne) und Aranza (hinten)

Mercè: Träume werden wahr

Mercè Oms Molist, die sich seit über zehn Jahren täglich um die Epona-Pferde kümmert, hat ihre Eindrücke vom Jahr 2025 aufgeschrieben: “Fast mein ganzes Leben war und bin ich draußen auf den Feldern und Weiden mit den Pferden. Ich habe viel gesehen und erlebt, und doch gibt es immer wieder Überraschungen: 2025 gab es einige. Ich denke, dass ist auch ein Grund, warum es mir so gefällt bei und mit den Pferden zu sein. Es ist nie dasselbe und immer wieder gibt es etwas zum Lernen. Als alles ruhig und in Harmonie mit der Herde schien, starb plötzlich Cookie. Geblieben ist ein Gefühl von Dankbarkeit für seine Präsenz all die Jahre über, so unabhängig zu sein, am Anfang fast asozial, aber dann mehr und mehr integriert in die Herde, uns Menschen eingeschlossen. Als er in hohem Alter (wir wissen sein Alter nicht genau, siehe auch den Jahresbericht 2012) starb, erinnerten wir uns an sein Leben, an das, was wir geteilt hatten, das Leben in der Natur, und sein Ende, wo der natürliche Prozeß seinen ungehinderten Gang gehen konnte. Jeder lebte seinen Schmerz, dieses eigenwilligige Pony verloren zu haben, auf individuelle Weise, besonders Tobby. Aber die Tage verstreichen, das Leben geht weiter, und die Herde und wir fügen uns in die neue Realität. Alles geht wieder seinen Gang, bis zur nächsten Überraschung.

Eine Frau, Mercé, mit 3 Pferden im Wald

2025 war für mich ein Jahr, indem ein Traum, der 28 Jahre alt ist, konkret wurde und Form annahm. Als ich 19 Jahre alt war, war ich auf einem Gestüt in Frankreich. Dort gab es ein Projekt mit jungen Frauen und Männern, die unterschiedlichste Probleme hatten. Sie lernten dort die Pferde zu verstehen und zu pflegen. Ich konnte beobachten wie die Pferde mit ihrem Verhalten, ihrer Liebe und ihrer Aufrichtigkeit, das Leben dieser Menschen veränderte. Das hat mich tief beeindruckt und ich dachte: Eines Tages möchte ich so ein Projekt verwirklichen, indem durch und mit den Pferden, unsere Liebe für sie und vor allem ihre Liebe, jemand befähigt wird, das Leben anders zu sehen. Ich bin aufgeregt und neugierig, denn jetzt wird dieses Projekt mit Hilfe der Epona-Stiftung verwirklicht. Es gibt Jahre, die bleiben mehr in Erinnerung als andere, 2025 war ein solches, um uns zu erinnern, nichts ist für immer, alles ändert sich ständig und wir sollten das Mögliche tun, um unsere Träume wahr werden zu lassen.”

Ramón: Ein gutes Jahr für die Vögel

Ramón Baucells kümmert sich seit Jahren um die Finca Terradelles de Dalt, das Zuhause der Epona-Pferde. Ramón passionierter Naturliebhaber und Ornitologe faßt zusammen, was für ihn 2025 besonders war: “2025 war ein gutes Jahr für die Finca. Die Jahreszeiten hoben sich gut voneinader ab, obwohl wir keinen extremen Frost im Winter und keine besondere Trockenheit und Hitze im Sommer hatten. Der Frühling war sehr schön mit gutem Regen und milden Temperaturen. Das Grün auf den Weiden reichte aus, um die Pferde bis in den Winter hinein mit Futter zu versorgen. Die Fauna und Flora der Finca konnte auch von diesem guten Jahr profitieren, um sich nach zwei Jahren extremer Trockenheit, zu erholen. Es war vor allem ein gutes Jahr für die Vögel. Die Nistkästen, die wir überall aufgehängt hatten, wurden von Kohlmeisen (Parus major), Blaumeisen (Cyanistes caeruleus) und - zum erstenmal - von einem Sumpfmeisenpärchen (Poecile palustris) genutzt. Das war eine Überraschung, weil es eine seltene Spezies ist, die eigentlich in der Nähe von Wasser und in Feuchtgebieten lebt. Die Vermehrung war erfolgreich, denn aus allen Nistkästen flogen Jungvögel aus.

Mann (Ramon) mit einem Nistkasten vor einem Baum.

Auch in den Natursteinmauern der Masia von 1807 nisteten der Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla), der Steinsperling (Petronia petronia) und der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros). Auf dem Dach zwischen den alten Schindeln bauten die Bachstelze (Motacilla alba), der Star (Sturnus vulgaris) , der Haussperling (Passer domesticus) und der Wiederhopf (Upupa epops) ihre Nester. Eine besondere Freude machte es uns zu sehen, dass an den Weiderändern in den Hecken, nahe am Haus, ein Neuntöterpärchen seine Eier legte. Sie zeigten uns, wie richtig es ist, totes Gehölz an den Weiderändern zu schichten, damit die Kleintiere dort Unterschlupf finden können. Dort kümmerten sich auch die Pärchen der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), der Nachtigall (Luscinia megarhynchos), des Grünfinks (Chloris chloris) und viele andere Arten um ihren Nachwuchs. Voller Freude beobachteten wir, wie eine Gruppe von Schafstelzen (Motacilla flava) auf ihrem Weg in den warmen Süden, bei uns Pause machten, um sich zwischen den Beinen der Pferde mit Insekten für die Weiterreise zu stärken. Der Schwarzspecht (Dryocopus martius), der Grünspecht (Picus sharpei), der Buntspecht (Drendocopus major), der Kleinspecht (Drendocopos minor) und der Wendehals (Jynx torquilla) geniessen das Insektenleben in den toten Ästen der hohen Pappeln am Ufer des kleinen Baches im Tal gegenüber von Haus und Scheune, wo die Pferde vor allem die Kühle im heissen Sommer suchen. Jeden Tag sehen wir zu unserer grossen Freude und als Bestätigung unserer Arbeit für die Natur mehr Vögel in Terradelles de Dalt.

Ausser den Pferden sind noch einige andere Säugetiere bei uns Zuhause: Eine Gruppe von Rothirschen (Cervus elaphus), viele Rehe (Capreolus carpreolus) und Wildschweine (Sus scrofa), die sich mit Vergnügen im Matsch der kleinen Wasserquellen oberhalb des Hauses im Wald suhlen. 

Ein Mann (Ramon) hängt einen Nistkasten in einen Baum
Sumpfmeisen

Immer vielfältiger wird auf der Finca mit den Jahren auch die Pflanzenwelt. 2025 entdeckten wir zum ersten mal zwei Arten, die interessant und nicht sehr verbreitet sind: die gewöhnliche Zwergmispel (Cotoneaster integerrimus) und die Orchidee Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis). Jedes Jahr sterben mehr der Waldkiefern, die hier in den Vorpyrenäen bisher hauptsächlich die Wälder bilden. Ursache sind Trockenheit und der Pinien-Prozessionsspinner (Thaumetopoea piyocampa), der sich aufgrund der immer milderen Winter stark vermehren konnte. Deshalb legen wir unser Augenmerk auf Flaumeiche (Quercus humilis), Steineichen (Quercus ilex), die Gemeine Esche (Fraxinus exelcior) und den Schneeball-Ahorn (Acer opalus), damit sie den Pinienwald langsam ersetzen können und somit ein Wald entstehen kann, der mit seiner Vielfältigkeit gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähiger wird und für die Pferde gegen Hitze, Kälte und Regen Schutz bietet.

Mit dieser Umweltarbeit bieten wir auch den Tieren einen Lebensraum, die typisch sind für offene, landwirtschaftliche Flächen. Denn sie haben sich aufgrund der intensiven Landwirtschaft und der entsprechenden Bodenarbeit am meisten reduziert. So gewinnt Terradelles de Dalt täglich an Biodiversität und auch Grünfutter-Qualität zum Wohle der Pferde, die hier artgerecht gehalten werden und somit auch zur Qualität der Finca beitragen, weil sie helfen, offene Flächen zu schaffen und zu erhalten.”

Drehwurz
Zwergmispel

Projeto Uerê

Aus Rio de Janeiro erhielten wir vom Projeto Uerê folgenden Bericht:

Die Situation im Slum ist wie gewohnt – arm, kompliziert und an manchen Tagen auch sehr gewalttätig. An vielen Tagen waren die Schulen und die lokalen Gesundheitsstationen aufgrund der schwierigen Lage im Viertel geschlossen. Polizeieinsätze erfolgen mit harter Hand, und kriminelle Banden kämpfen weiterhin um Territorien. Der Waffenstillstand zwischen rivalisierenden Gruppen ist fragil. Die Menschen tun, was sie können, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, doch die Preise für Miete, Lebensmittel und Getränke sind gestiegen. Die öffentlichen Schulen vor Ort sind unterbesetzt, und die Lehrer sind oft demotiviert und suchen nach Arbeitsmöglichkeiten außerhalb des Slums – wer wollte es ihnen verdenken. Einige lokale NGOs tun ihr Bestes, um den Kindern Freizeitangebote zu bieten, Jugendlichen Jobmöglichkeiten zu eröffnen und Familien ohne Einkommen mit Lebensmittelpaketen zu unterstützen.

Projeto Uerê ist ein Leuchtturm der Stabilität im Slum, und jedes Jahr hoffen Mütter, ihre Kinder dort anmelden zu können. Die Warteliste ist lang. Angesichts der vielen Tragödien in der Welt und teilweise auch der Ignoranz von Politikern ist es schwierig, ausreichende Finanzierung zu finden – es ist jedes Jahr ein neuer Kampf. Doch Yvonne und das Team machen weiter und tun alles, was sie können, um etwas zu bewirken. Vielen Dank an alle treuen und engagierten Unterstützer.

Yvonne schrieb uns über Bildung:

Ende Februar 2026 haben wir die Einschreibung bei Projeto Uerê abgeschlossen. Vor unserer Tür bildete sich eine lange Schlange von Müttern, die um einen Platz für ihre Kinder baten. Bei den Gesprächen zeigte sich, dass 80 % der Kinder kognitive Verzögerungen aufweisen – mit anderen Worten: Sie haben nicht im angemessenen Alter gelernt. Ein tragisches Bild des Bildungssystems. Ein Land, das seine Bevölkerung nicht bildet, entscheidet sich dafür, klein zu bleiben – nicht im geografischen Sinne, sondern im Denken. Ohne solide Bildung verarmt die Sprache, das Denkvermögen wird schwach, und die öffentliche Debatte reduziert sich auf Schlagworte. Wie Paulo Freire erinnerte, ist Bildung ein Akt der Befreiung; ohne sie vervielfacht sich Abhängigkeit. Und wenn kritisches Denken schwächer wird, entsteht Raum für jene Oberflächlichkeit, vor der Hannah Arendt so eindringlich gewarnt hat: die Banalisierung von Ideen und Verantwortung. Bildung ist kein soziales oder politisches Ornament; sie ist moralische und kognitive Infrastruktur. Wo sie versagt, stagniert Innovation, Bürgersinn schwächt sich, und Mittelmaß wird von der Ausnahme zur Regel. Zu bilden heißt, Zukunft zu gestalten; es zu vernachlässigen bedeutet, Generationen dazu zu verurteilen, immer wieder in die gleiche Rückständigkeit zurückzufallen. Brasilien befindet sich noch immer auf diesem Weg …

Die Epona-Foundation unterstützt Larissas Ausbildung und ihre Familie. Die Familie besteht aus der Mutter, der Großmutter mütterlicherseits und Onkeln – insgesamt fünf Personen leben unter eingeschränkten sozioökonomischen Bedingungen in einem Haushalt. Die Familie hat starke emotionale Bindungen und steht in engem Kontakt mit dem Projeto Uerê. Das monatliche Einkommen der Familie wird auf etwa einen Mindestlohn geschätzt und stammt aus informeller Arbeit sowie sozialen Leistungen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei ungefähr 1.700 brasilianischen Real (ca. 275 Euro pro Monat). Die Wohnung ist gemietet, sodass am Monatsende kaum Geld übrig bleibt. Nach Analyse der Lebensumstände wird die Familie als sozioökonomisch verletzlich mit teilweiser Stabilität eingestuft. Larissa ist eine hervorragende Schülerin und hat die Grundschule erfolgreich abgeschlossen. Im Jahr 2026 beginnt sie die dreijährige Sekundarstufe. Sie ist sehr fokussiert und weiß, dass sie eine einmalige Chance erhält, eines Tages den schwierigen Lebensbedingungen zu entkommen. Vielen, vielen Dank für die jahrelange Unterstützung dieses wunderbaren Mädchens.